DM 2013 Bericht von Nagy

Wir freuen uns euch einen Gastbeitrag zur deutschen Meisterschaft von Matthias Nagy präsentieren zu können, den ihr vielleicht noch von seinem Bericht zum Berliner Regional kennt.


Ich bin zurück von der Deutschen Netrunner-Meisterschaft. Und während es definitiv nicht die Erste für mich war, war es dennoch die Beste. Und dieser Umstand ist alleine einer Tatsache geschuldet: Alle Spieler waren locker und entspannt und wollten in erster Linie eine gute Zeit haben. Der einfache Spruch: “Sei cool, sei Professionell, sei kein Arsch,” wurde von allen beherzigt und entsprechend hatte ich tolle Spiele mit sympathischen Spielern aus dem ganzen Land. Dafür alleine war das Event Topp.

Nun wollte ich hieraus aber ein kleines Doppelfeature machen. Mein Runner-Deck war ein unwichtiges Chaos Theory Deck, welches ich euch erspare. Mein Corp fand ich aber schon anders als die meisten anderen. Es waren genau zwei Jinteki Spieler vor Ort, beide aus Berlin, und beide spielten auch noch verschiedene IDs.

 

Angefangen hatte es nach den US Nationals auf der GenCon. Der Pool für die Deutsche Meisterschaft stand fast fest, es musste nur noch geklärt werden ob Opening Moves bis dahin erlaubt ist. Als Spieler wusste ich aber um diese 20 Karten noch zu planen. Der erste Ansatz war sich eine Corp zu überlegen, welche mit Atman zurechtkommt. Die Geschwindigkeit mit der Atman sein Feld aufbaut und durch die meisten Blockaden durchkommt musste irgendwie durchbrochen werden. Die einzige Option die mir dabei eingefallen ist war dem Runner Aktionen zu klauen.

 

Der Ansatz erfolgte über Jinteki Replicating Perfection. Die nächsten Karten die mir in die Hand fielen sind Ruhr Valley und Ash 2X3ZB9CY. Die Idee ist, der Runner rennt auf einen Central Server auf 1, dann auf die Agenda mit Ruhr Valley auf 2 und 3, und dann wird er von Ash 2X3ZB9CY ausgesperrt und kann dann nicht erneut auf die Agenda laufen. Ich kann sie in der Zwischenzeit in Ruhe durchscoren.
Die ersten Tests brachten schnell zwei Probleme auf.
1. Ash 2X3ZB9CY kostet zuviel Geld. Es ist nur ein Trace und bei Decks mit Rabbit Hole wird es zu leicht. Überhaupt hatte ich viele Geldprobleme mit Jinteki. Das Problem habe ich durch Red Herrings gelöst bekommen. Es ist viel billiger für mich und die Kosten kann die Corp nicht reduzieren. In der Theorie braucht er nur Geld und es kann nicht verhindert werden, dass er klaut, aber zwei oder drei Heringe tun es da auch.
2. Das Installieren von ICE braucht zu viel Zeit. Und vor allem viel Geld. Geld das Jinteki trotz Allem nicht hat.
3. Die besten ICE sind alle nicht Jinteki und mit 3 Ruhr Valley und 3 Red Herrings war das Deck am Rande seiner Influence. Da war keine Luft. Ich habe einfach mit weniger ICE gelebt und nahm daher stückweise immer mehr ICE raus und packte dafür immer mehr Fallen und vor allem Geldkarten rein.
Entscheidend waren schließlich Nisei MK II und Trick of Light, beides kurze Beschleuniger für den Corp oder Bremser für den Runner. Hier die Deckliste wie ich es auf der DM gespielt habe.

Try again (49 cards)

Jinteki: Replicating Perfection

Agenda (9)
2 Corporate War
3 Executive Retreat
1 False Lead
3 Nisei MK II

Asset (14)
3 PAD Campaign
3 Private Contracts
3 Project Junebug
2 Ronin
3 Snare!

Upgrade (6)
3 Red Herrings
3 Ruhr Valley

Operation (6)
3 Hedge Fund
3 Trick of Light

Barrier (4)
2 Bastion
2 Wall of Static

Code Gate (6)
2 Chum
2 Datapike
2 Enigma

Sentry (2)
2 Neural Katana

ICE (2)
2 Data Mine

Das schwerste am Deck ist die Balanace zu finden. Am Anfang muss man sehr viele Remote Server eröffnen und das ICE fast komplett ignorieren. Ich hatte einige Spiele wo ich bis zu 10 Server gleichzeitig offen hatte. Das pure ausspielen und liegen lassen verwirrt die meisten Spieler, die mit solch einer Art Deck nicht umzugehen wissen. Zusätzliches Entwickeln von drei verschiedenen Karten in derselben Runde steigert das Gefühl. Die Angst eine Snare! abzubekommen oder einen entwickelten Project Junebug war groß. Die Agenda dazwischen zu finden war sehr schwer. Und sollte ich erst ein oder zwei Nisei MK II durch haben, kann ich die letzte Problemlos in die Ruhr Valley legen und komplett verhindern, dass der Runner eine Chance hat was zu klauen.
Natürlich ist das Deck nicht das stärkste und ich hatte damit auch nicht gerechnet, damit etwas zu reissen, aber Spaß hatte ich eine Menge damit.

 

Runde 1 – Rafael K. (HB, Kate)
Als Runner war es ein kurzes Spiel. Mein Gegner hatte nach einem Mulligan 6 Agendas auf der Starthand. Dazu noch kein ICE nachgezogen und das Spiel war daher schnell vorbei. Als Corp war es schon spannender. Alles lief wie es das sollte. Der Gegner schien nicht genau zu wissen was passiert und so kam noch das fehlende Ziehglück vom R&D dazu und ich gewann souverän. Ein motivierender Start ins Turnier.
Prestige 4-0 (C 2-0, R 2-0)

 

Runde 2 – Carsten P. (Noise, Next Design)
Hier sah ich nicht viel Sonne. Frühe Viren und ein Nerve Agent machten mir das leben schwer. Und statt brav alles zu installieren beende ich meinen Zug mit 3 Handkarten, davon zwei Agendas, wo mein Gegner doch nächste Runde mit einem Run alle drei von der Hand zieht. Verdient verloren. Aber Mal gegen Next Design zu spielen war cool.
Prestige 6-2 (C 2-2, R 4-0)

 

Runde 3 – Steffen S. (NBN, Andromeda)
Als Runner war da nicht viel zu machen. Erste Runde eine Agenda geklaut, 8 Tags kassiert und schon kurz später geflatlined worden. Als Corp war das schon spannender. Steffen spielte sehr vorsichtig und packte sogar zwei Compromised Employees aus,  welche sogar Geld brachten. Ich hätte das sogar durchbekommen als ich die letzte Karte installieren wollte, wurde die Zeit ausgerufen. Ich konnte daher leider nicht mehr gewinnen. Über mehr Agendas habe ich noch einen Punkt gesichert, aber ich ärgere mich das das Deck so langsam ist. Ich will ab sofort schneller spielen. Steffen meinte noch, er hatte Angst vor Neural EMP, dabei habe ich die gar nicht drin. Ich wollte den Runner ja nicht flatlinen sondern in Ruhe über Agendas gewinnen. Aber vielleicht muss ich das nochmal überdenken.
Prestige 7-4 (C 3-2, R 4-2)

 

Runde 4 – Patrik K. (NBN, Noise)
Hier war nicht viel zu machen. Beide Spiele gingen schnell vorbei und ich war platt. Ich war mir bewusst, dass ich keine Chance habe, dennoch war mein Gegner die ganze Zeit nett. Was will man mehr. Zumindest war dies meine schnellste Runde.
Prestige 7-8 (C 3-4, R 4-4)

 

Runde 5 – ??? (Sorry hab den Namen leider vergessen, Weyland, Noise)
Diese Spiele waren wieder richtig cool. Das erste Spiel dauerte mir etwas zu lange, aber daran waren wir beide Schuld. Ich war in der positiven Lage zuzusehen, wie er sich selber 2 Bad Publicity Marken gab und ich mit diesem zusätzlichen Geld ordentlich sparen konnte. Des Weiteren trashte er bestimmt mindestens acht meiner Programme und ich durfte immer wieder neu installieren, es war dennoch knapp und ich schaffte es auf 6 Punkte, bevor der zweite Corporate Troubleshooter mich ausknockte. Auf der Corp-Seite musste ich wieder das volle Register ziehen, was beinhaltete bis zu 10 Server zu eröffnen. Große Spielfehler konnte ich auf seiner Seite nicht erkennen, sehr wohl aber auf Meiner. Wäre ich fünf Sekunden schneller gewesen, wäre es sein Zug gewesen, als die Runde ausgerufen wurde und ich hätte noch gewinnen können. So musste ich mich erneut mit einem knappen Punktsieg begnügen.
Prestige 8-10 (C 4-4, R 4-6)

 

Runde 6 – Max D. (Andromeda, HB)
Die letze Runde war ein prima Ausgleich am Ende. Der Gegner hatte tolle Acryltokens, die sein Freund selber macht. Er fing als Runner an und baute sich echt viel Geld auf. Kati wurde zum Teil bis auf 18 aufgeladen. Dummerweise zog ich zu viele Agendas und er konnte diese problemlos klauen. Dann machte ich noch einen entscheidenden Fehler, als ich eine Agenda von der Hand auf Ruhr Valley auslegte, statt die Agenda daneben erst mal zu sichern. Er nahm die mir weg und ich konnte nichts machen als zu verlieren. Ein dämlicher verschenkter Sieg, aber mir ist lieber meine Fehler zu erkennen, als keine Chance zu haben. Als Runner musste ich allerdings mit einem echten HB rechnen. Zuerst wurde Geld gesammelt, und davon fast 50 Credits. In der Zwischenzeit hatte er einen Remote aufgebaut. Als er aber versucht da was zu entwickeln, ahnte ich keine Gefahr. Mit vier Karten auf der Hand rannte ich gegen einen Janus, der meine Hand auf 1 mit 0 Karten reduzierte, dann gegen zwei Heimdall 1.0 die mich mein gesamtes Geld kosteten und schließlich aber mit einer Agenda belohnten. Zwei weitere von den bösen Agendas vom R&D brachten mir dann noch einen Sieg.
Prestige 10-12 (C 4-6, R 6-6)

 

Gefühlt habe ich je die Hälfte der Spiele gewonnen, auch wenn zwei davon nur Achtungssiege mit einem Punkt waren. Mein eigentliches Ziel war damit nicht erreicht (mindestens 13-11 gehen), aber es war nah genug dran, dass ich mir keine Vorwürfe mache, sondern Alles genieße. Ich freue mich jetzt schon auf die Deutsche Meisterschaft nächstes Jahr und vielleicht auch auf ein paar mehr Regionals, falls meine Zeit es zulässt.

 

Am Deck selber würde ich nun nach dem Turnier noch Einiges ändern. Weniger ICE reinnehmen, weil ich im Schnitt höchstens 2 pro Spiel überhaupt installiert habe. Alles weitere gammelte auf der Hand. Auch wäre Fetal AI eine bessere Agenda als Corporate War, denn Geldprobleme hatte ich dank den Assets keine. Beide Kriminals gegen die ich spielte, spielten genau ein Account Siphon gegen mich und in beiden Fällen gab ich schnell mein Geld für Ruhr Valley aus. Das schadet nie. Weitere Karten in den nächsten Data Packs können natürlich weitere Anpassungen hervorbringen, aber Spaß hatte ich dennoch an jedem Spiel. Nur ein neuer Runner muss her, an dem sitze ich auch schon seit Samstag Abend.

 

Be seeing you,
Matthias Nagy