Deckbau 1×1

suregambleGrade das Zusammenstellen eines eigenen Decks kann für Anfänger recht schwierig sein. Es gilt zu entscheiden welche Karten man ins Deck aufnimmt ohne dabei zu viele Karten zu haben, aber gleichzeitig eine Lösung für jede Eventualität parat zu haben. Ein Patentrezept dafür gibt es wohl nicht, dennoch will ich versuchen einen kleinen Überblick über mögliche Vorgehensweisen zu geben.

Net-Decking

Zuerst gibt es natürlich die Möglichkeit sich eine Vorlage im Internet zu suchen. Am besten ein Deck, welches auf einem Turnier schon einmal gut abgeschnitten hat, wie wir sie ja auch hier auf Wyldside vorstellen.

In jedem Fall sollte man sich dann jedoch das Deck genau anschauen und verstehen warum jene Karte im Deck ist. Grade bei Netrunner ist es sehr wichtig ein Deck zu verstehen, um es dann auch erfolgreich spielen zu können!

Dann kann man kleinere Modifikationen am Deck vornehmen, um es an die eigenen Vorlieben anzupassen und ihm etwas Individualität zu geben. Auch hierbei ist es enorm wichtig das Deck in seiner ursprünglichen Form verstanden zu haben, sonst entfernt man aus Versehen eine Karte, die dem Deck bei einem bestimmten Problem hilft oder die gar komplett essentiell für das Funktionieren des Decks ist.


 Die Grundlage

Will man ein Deck komplett selbst bauen gibt es unterschiedliche Grundlagen dafür.

  1. Eine bestimmte Karte
  2. Eine Identität
  3. Eine Spielmechanik
  4. Eine bestimmte Kombination von Karten
  5. Ein Thema
  6. Eine Fraktion

data-leak-reversal1: Es gibt Karten, die wollen das man den ganzen Rest des Decks an ihnen ausrichtet. Entweder funktionieren die Karten nur mit Hilfe anderer Karten oder sie liefern einen besonders starken Effekt wenn sie entsprechend genutzt werden. Ein Beispiel wäre das Data Leak Reversal. Für sich genommen ist die Karte nicht besonders gut, das Deck braucht eine Möglichkeit sich selbst eine Markierung zu verpassen, damit die Karte überhaupt funktioniert. Dazu muss das Deck entweder das Tag wieder loswerden können oder so gebaut sein, dass es mit Tag nicht behindert wird.

Man sollte dabei jedoch immer im Auge behalten, ob sich der Aufwand für den erzielten Effekt auch lohnt und ob es überhaupt realistisch ist, die Karte entsprechend zum Einsatz zu bringen bevor der Gegner gewonnen hat.

Man sollte sich auch nicht unbedingt darauf festlegen die Fraktion zu spielen aus der die Karte kommt, manchmal funktioniert eine Karte trotz hoher Einfluss kosten in einer anderen Fraktion einfach besser, da sie den entsprechenden Support ohne Einfluss bekommt o.ä. .

 

2: Bei den Identitäten ist es ähnlich wie bei anderen, einzelnen Karten, hier ist man jedoch schon mal die Sorge los das man die Karte erstmal ziehen muss, eine Identität mit ihrer Fähigkeit liegt von Anfang an auf dem Tisch. Hier ist man jedoch festgelegt welche Fraktion man hauptsächlich nutzen wird. Ein klassisches Beispiel wäre hier ein “Noise Shop” Deck, das um die Fähigkeit von Noise herum aufgebaut ist und versucht möglichst viele Viren zu spielen, um die Fähigkeit oft zu aktivieren.

Ein weiteres Beispiel wäre ein Shaper Deck, das Magnum Opus + Rig spielen will ohne dafür zusätzlichen Speicher zu benötigen. Hier lässt sich das entsprechende Deck um die sonst eher unauffällige +1MU Fähigkeit von Chaos Theory aufbauen.

3: Ein Deck, das sich auf eine bestimmte Mechanik konzentriert und versucht das meiste daraus zu machen. Ein Beispiel wäre ein “Trace Spam” NBN Deck, das versucht mit viel Trace ICE und Restructured Datapool möglichst viel mit der Aufspüren-Mechanik zu spielen oder ein Jinteki Deck das viel PSI ICE nutzt, etc.

4. Wie bei vielen Kartenspielen gibt es auch bei Netrunner die sogenannten Kombo Decks, die mit einer mächtigen Kombination aus mehreren Karten das Spiel gewinnen wollen. In Netrunner ist dies oft subtiler und gewinnt nicht direkt das Spiel und meist braucht ein solches Deck auch noch eine Möglichkeit auf normalem Wege zu gewinnen. Ein Beispiel das sicher allen bekannt ist, ist das Weyland Deck mit Scorched Earth + SEA Source (oder Posted Bounty) oder ein NBN Deck das über Psychographics und Project Beale gewinnen will.

5. Bei Netrunner wohl noch eher schwach ausgeprägt, da viele Spieler nicht all zu viel über die Hintergrundgeschichte wissen, bzw. die Bücher auch nicht so explizit von Runnern handeln, grundsätzlich aber mehr oder weniger möglich.

6. Oft kann die Idee auch ganz simpel “Ich will Shaper spielen” sein ohne dabei an bestimme Karten oder Kombinationen zu denken. Hier geht es dann darum möglichst den Spielstil der Fraktion ins Deck zu bringen und diesen durch Importe aus anderen Fraktionen zu unterstützen.


 

Die Auswahl

Nachdem man sich Gedanken gemacht hat, was man eigentlich Spielen will oder was die Grundidee des Decks ist, stehen oft einige Karten fest und es gilt einen soliden Überbau für diesen Kern zu finden.

Spielt man eine Kombination aus Karten oder baut man auf einer Schlüsselkarte auf, sollte man zunächst darüber nachdenken in welcher Fraktion man spielen will. Auch bei Karten, die viel Influence kosten kann es sinnvoll sein, eine andere Fraktion zu spielen, wenn diese ein besseres Grundgerüst für den Rest des Decks liefert.

Man sollte dabei immer im Kopf haben, dass ein Deck in Netrunner bestimmte Grundfähigkeiten besitzen sollte, bei den Runnern wäre das:

  • Jeden Typ ICE brechen können
  • Effektiver Credits besorgen können als 1 Click für 1
  • Sich vor gängigen Bedrohungen wie z.B. Scorched Earth, Junebug, Tags schützen können

r-d-interfaceBei der Corp ist ein Teil des Decks schon durch die Agendas belegt, hier sollte man definitiv einplanen:

  • Zentrale Systeme schützen können
  • Effektiver Credits besorgen können als 1 Click für 1
  • Einem R&D Lock begegnen können bzw. ihn verhindern zu können

Hat man sich für eine Lösung dieser Probleme entschieden, bleiben noch einige Slots im Deck übrig. Diese kann man entweder nutzen um einen bestimmten Aspekt des Decks zu stärken und zu unterstützen oder um neue Tricks ins Deck aufzunehmen.

Generell sollte man eher dazu tendieren das Deck weiter zu unterstützen und nicht zu viele Dinge auf einmal in ein Deck einbauen zu wollen, dann kann man hinterher alles ein bisschen und nichts richtig.

Hat man Schlüsselkarten im Deck, sollte man sich nach Möglichkeiten umsehen schnell an diese heran zu kommen: Special Order, Test Run oder auch schnelleres Kartenziehen durch Diesel oder Wyldside bieten sich hier an.

Meist möchte man mehr Karten ins Deck nehmen als die 45/49 die man regulär spielt, schließlich scheint fast jede Karte erst einmal auf die eine oder andere Art nützlich zu sein. Hier sollte man dann genau hinschauen und überlegen:

  • Welches Problem kann diese Karte lösen?
  • Habe ich andere Lösungen für dieses Problem die besser sind?
  • Kann mein Deck evtl. damit Leben keine Antwort für dieses Problem zu haben?

Als Beispiel seien die E3 Feedback Implants genannt. Sicherlich eine sehr nützliche Karte, wenn man oft Bioroids begegnet. Doch Bioroids sind auch ICE, also hat eigentlich jedes Deck auch eine andere Art mit diesem Problem umzugehen. Hier muss man abschätzen, ob es wert ist die E3 Implants mit zu nehmen oder ob man auch ohne sie noch effektiv gegen große Bioroids vorgehen kann.

Auch mit Bedrohungen durch Junebugs oder Agressive Secretary kann man unterschiedlich umgehen. Spielt man jeden Breaker nur einmal im Deck, will man vielleicht eine Möglichkeit haben sie aus der Ablage zu holen wenn sie getrashed werden oder ein Sacrificial Construct spielen. Man kann aber auch 3 Infiltration ins Deck nehmen und so vermeiden überhaupt in diese Situation zu kommen. Spielt man eh alle Breaker je drei mal? Vielleicht reicht auch ein Quality Time das einen im Notfall schneller einen neuen Breker finden lässt, aber auch hilft wenn man grade nicht in einer Notsituation ist was die Breaker angeht. Alle Möglichkeiten im gleichen Deck wird man jedoch äußerst selten brauchen.

Dann gibt es noch die Karten, die irgendwie einen netten kleinen Effekt haben der einem nützlich erscheint. Hier sollte man genau untersuchen wie nützlich dieser Effekt wirklich ist und wie schwer es für den Gegner ist dies zu umgehen.

motivationEin gutes Beispiel dafür ist Motivation aus Opening Moves. Sicher wäre es oft nett zu wissen was im eigenen Deck grade oben liegt, doch meist hat man eh keine großartige Wahl als es eben zu ziehen, ob es einem passt oder nicht. Damit man einen Platz für diese Karte im Deck rechtfertigen kann muss sie schon noch mit einigen anderen Karten zusammenarbeiten. Bei diesem Beispiel wäre das der Fall wenn man Aesops Pawnshop im Deck hat und somit überflüssige Kopien der Karte gut zu 3 Credits machen kann und eine Möglichkeit sein Deck zu Mischen, wenn man die grade gesehene obere Karte eben nicht ziehen will, zum Beispiel durch einen Djinn.


Testen

Kein Deck wird allein auf dem Papier gut, im Endeffekt ist das Testen im echten Spiel durch nichts zu ersetzen.

Konnte man sich nicht entscheiden welche Karten ins Deck sollen und welche nicht, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ihr testet das Deck mit mehr Karten und entfernt hinterher die, die euch im Spiel weniger nützlich erschienen oder ihr spielt erst einmal mit einer der möglichen Optionen und entscheidet dann, ob man etwas entfernen könnte, um weitere Karten ins Deck zu nehmen.

All zu genau muss man es wohl auch nicht nehmen, ein Deck wird nicht auf einmal schlecht weil man mit 46 statt 45 Karten spielt, bei der Corp sieht es da schon kritischer aus, da man hier bei mehr als 49 Karten zusätzliche Agendapunkte spielen muss.

Testet auf jeden Fall gegen verschiedene Gegner, wenn ihr immer nur gegen HB testet werden euch die E3 Feedback Implants auch immer nützlich erscheinen, spielt ihr nur gegen Jinteki erscheint euch ein Deus X auf einmal unverzichtbar.


Noch ein Rat

Lasst euch nicht davon abschrecken wenn Leute sagen eine Karte wäre schlecht oder würde nicht funktionieren. Probiert es einfach aus!

Bevor ich die Shaper Decks auf den Regionals gesehen habe hätte ich nicht gedacht, dass man Shaper ohne C&C erfolgreich spielen kann. Viele Spieler meinen TMI wäre schlechtes ICE und unspielbar, in meinem NBN Deck hat es mir schon oft gute Dienste geleistet und selten enttäuscht.

Professional Contracts wurde direkt nach der Veröffentlichung von vielen schlecht bewertet, dann gewann ein Deck damit auf der GenCon.

Ihr sehr, oft ist nicht das richtig was andere sagen, auch nicht wenn es jemand auf Wyldside sagt oder viele es sagen. Probiert Karten, Kombos und Deckideen aus, dass ist schließlich das schöne am LCG, man kann alle Deck Ideen direkt bauen und testen!