Burg Stahleck Turnierbericht

Nachdem wir von Wyldside.de nun an unserem ersten Android:Netrunner Turnier teilgenommen haben, wollte ich einen kleinen Bericht dazu zum Besten geben. Auf gings am Samstag zu viert per Auto aus dem Ruhrgebiet Richtung Koblenz, wo wir nach etwa drei Stunden Fahrt in Bacherach ankamen. Die wohlgemerkt nicht kleine Burg zu finden war in Dunkelheit und Nebel nicht ganz so einfach, vor allem da das Navi auch nicht so überzeugt schien. Trotz alledem kamen wir noch zeitig an, um uns das Abendessen schmecken zu lassen, was auch gänzlich überzeugen konnte. Generell war das Ambiente der Burg sehr ansprechend und das Personal freundlich. Und es fiel direkt auf, dass A Game Of Thrones das Hauptevent war. So konnte man nahezu in jedem Raum, sogar im Speisesaal Spieler sehen, die entweder noch Turnierrunden oder einfach so ihre Matches austrugen. Auch wurde das europäische Flair sehr schön deutlich, da man fast mehr andere Sprachen als Deutsch hören konnte.

Geteilt hatten wir unser 6er Zimmer mit einem weiteren Netrunner-Spieler, der auch am Samstag angereist war. Die grundlegenden Dinge erledigt konnten wir somit für den Rest des Abends dazu übergehen noch einige Runden Netrunner zu zocken, unsere Decklisten endlich aufzuschreiben und dann schlafen zu gehen. Wenn auch die Doppelbetten an lang zurückliegende Erlebnisse auf Klassenfahrten erinnerten, so waren diese vollkommen akzeptabel und erhielten Nostalgie-Bonuspunkte, genauso wie die sehr kleinen und schmalen Schränke.


 

Aber kommen wir nun am Besten zu meinen beiden Decklisten:

Identity:
Kate “Mac” McCaffrey: Digital Tinker (Core)

Total Cards: (45)
Event (22)
Diesel (Core #34) x3
Infiltration (Core #49) x3
Modded (Core #35) x3
Special Order (Core #22) x3
Stimhack (Core #4) x2
Sure Gamble (Core #50) x3
The Maker’s Eye (Core #36) x3
Tinkering (Core #37) x2

Hardware (8)
Lemuria Codecracker (Core #23) x3
The Toolbox (Core #41) x3
Akamatsu Mem Chip (Core #38) x2

Program (13)
Battering Ram (Core #42) x3
Femme Fatale (Core #26) x1
Gordian Blade (Core #43) x3
Magnum Opus (Core #44) x3
Ninja (Core #27) x1
Pipeline (Core #46) x2

Resource (2)
Armitage Codebusting (Core #53) x2

 

Identity:
Haas-Bioroid: Engineering the Future (Core)

Total Cards: (49)
Agenda (9)
Accelerated Beta Test (Core #55) x3
Priority Requisition (Core #106) x3
Private Security Force (Core #107) x3

Asset (12)
Adonis Campaign (Core #56) x3
Aggressive Secretary (Core #57) x2
PAD Campaign (Core #109) x3
Project Junebug (Core #69) x2
Snare! (Core #70) x2

ICE (20)
Archer (Core #101) x2
Enigma (Core #111) x3
Heimdall 1.0 (Core #61) x2
Ice Wall (Core #103) x1
Ichi 1.0 (Core #62) x2
Rototurret (Core #64) x3
Tollbooth (Core #90) x2
Viktor 1.0 (Core #63) x2
Wall of Static (Core #113) x3

Operation (6)
Biotic Labor (Core #59) x3
Hedge Fund (Core #110) x3

Upgrade (2)
Corporate Troubleshooter (Core #65) x2


 

Nach dem Frühstück fanden wir uns somit gegen 9.30 Uhr im großen Rittersaal ein, da das Turnier für 10 Uhr angesetzt war. Die Turnierorganisation hatte der Spanier Willy übernommen, der auch selber am Turnier teilnahm. Somit füllten alle 14 Teilnehmer ihre Turnierzettel aus und schon ging die erste Runde los.

Bei dem doch recht kleinen Teilnehmerfeld war es leider auch nicht zu überraschend, dass man gegen ein bekanntes Gesicht ran musste, so dass ich direkt im ersten Match auf Force9 traf. Den Würfelwurf gewann ich und entschied mich für mein Runnerdeck. Meine Starthand hielt ich direkt, da Magnum Opus alleine für meine Deckstrategie schon Grund genug war, aber zwei Icebreaker auch sehr überzeugend wirkten. Somit konnte ich sehr schnell mein RIG, bestehend aus Magnum Opus, allen drei Breakertypen, Toolbox und Lemuria Codecracker aufbauen und in die Offensive übergehen. Force9 spielte Weyland und musste relativ früh zwei Posted Bounty aus seinem R&D an mich abgeben, einmal per Maker’s Eye. Somit sank die Gefahr an Scorched Earth zu sterben meines Erachtens deutlich. Insgesamt war sein Draw eher bescheiden mit wenig ICE, so dass ich dieses Match zu 0 für mich entscheiden konnte.

Im zweiten Match spielte Force9 Criminals und konnte auch schnell die drei Breakertypen aufs Feld bringen, allerdings war sein Sentrybreaker Femme Fatale, was natürlich eher eine teure Angelegenheit für ihn bedeutete. Somit konnte ich meinen großen Remoteserver gut schützen, besonders da ich auch genug Geld generieren konnte mit 3 PAD Campaigns und 2 Adonis Campaigns. Zwischenzeitlich zog er zwar random eine Priority Requisition aus meinem R&D, aber da ich meine Agendas relativ ungestört scoren konnte gewann ich dieses Match 10:3.

Grundsätzlich ist für beide Matches zu sagen, dass das Glück im Draw auf meiner Seite lag. Mein Gegner war sehr ausgiebig damit beschäftigt Karten nachzuziehen, während ich nahezu ungestört mein Spiel aufbauen konnte.

 


 

In der zweiten Runde durfte ich gegen den TO Willy ran. Er entschied sich mit seinem Criminals-Deck zu starten. Meine erste Hand fand ich recht schlecht, aber wie es nun mal so ist, besteht die Gefahr bei einem Mulligan eine noch viel schlechtere Hand zu ziehen. Dadurch musste ich nach meinem Mulligan mit 3 Agendas und immerhin zwei ICE starten und war logischerweise darauf bedacht mein HQ dicht zu machen. Das gelang mir auch noch ganz akzeptabel und ich war in der Lage zwei Beta Tests zu scoren, teilweise mit Hilfe von Biotic Labor. Dabei gab es dann allerdings ein wenig Diskussionsbedarf, da die Spanier anscheinend diese Agenda etwas anders verstanden hatten, als wir. Bisher spielten wir sie so, dass man sich nach dem Scoren entscheiden musste, ob man die Fähigkeit nutzen will. Wenn ja, dann zog man drei Karten, installiert alles ICE davon ohne Kosten und trashed den Rest. Das führt gerne dazu, dass man sich Agendas in die Archive packt, die einem locker das Spiel kosten können. Jetzt war mein Gegner der Meinung, man könne sich die Karten anschauen und dann entscheiden, ob man das ICE installieren möchte. Wenn nicht, kommen die Karten in der gleichen Reihenfolge zurück auf R&D. Im Endeffekt haben wir das dann so auch gespielt, und da er auch HB spielte, war das soweit ausgeglichen, aber nach dem Spiel in der Mittagspause konnten wir uns darauf einigen, dass unsere Spielart die Richtige sei. Das Spiel nahm eine deutliche Wendung zu meinen Gunsten, nachdem ich ihn mit dem Corporate Troubleshooter in meinen Ichi rennen ließ und so seine beiden Breaker, Femme und Crypsis trashen konnte. Danach konnte ich in Ruhe meine Agendas scoren, für einen Anfangs unwahrscheinlich wirkenden Sieg mit 10:5. Er hätte allerdings locker gewinnen können, wenn er ein einziges Mal auf meine Archive gerannt wäre. Dort lagen 5 Punkte, die bei den Beta Tests darin gelandet waren. Allerdings hatte ich darauf gehofft, dass ein Criminal mit seiner Sneakdoor Beta erst recht nicht auf die Idee kommt dort mal nachzuschauen. Ansonsten empfand ich es als sehr interessant, dass er Wyldside in seinem  Deck spielte.

Das zweite Match war somit Shaper gegen HB und ich hielt meine Hand. Zwar konnte ich mein Rig recht schnell aufbauen, aber er installierte sehr viele Karten mit drei Shipment from Mirrormorph, dass er ohne mein eingreifen und jeglichen Schutz des Servers gleich zwei Beta Tests scoren konnte. Er war also sehr risikofreudig oder hatte meine Strategie, nicht zu rennen bevor ich nicht mein Rig fertig habe, durchschaut.  Im weiteren Verlauf konnte ich eine Security Force aus seiner Hand ziehen, sowie eine Priority vom R&D, auf das ich gerannt war, nachdem er die drei Karten der Beta Test Aktivierung zurücklegte (nach besagter falscher Spielweise).  Ihm fehlte soweit auch nur noch eine Agenda und spielte eine weitere Priority in einen Remote Server mit gerade mal zwei mir unbekanntem ICE. Leider mangelte es mir an Zeit und Geld, so dass ich mich dennoch entschied mit 3 Credits einen Run darauf zu versuchen. Hätte ich noch einen Click übrig gehabt, so hätte ich die Routinen von Ichi einfach hinnehmen können und bei Viktor die End The Run-Routine per Click brechen können. So, konnte ich leider nicht dran vorbei. Netterweise war diese Runde so ausgeglichen, dass auch ich hätte gewinnen können, wenn ich nur einmal in die Archive geschaut hätte, da dort eine Security Force lag. Ich hatte es auch mehrfach vorgehabt während des Spiels, aber dann am Ende nicht mehr daran gedacht. Somit 5:10 und ein Draw.

 


 

Nach dem leckeren Mittagessen ging es auch direkt in die dritte Runde, in der ich gegen den freundlichen Norweger Roy antreten durfte. Ich entschied mit dem Runner zu beginnen und er spielte Jinteki. Bis ich mein Rig aufgebaut hatte, konnte er zwei Agendas scoren, hatte somit 4 Punkte und einen Token auf Nisei. Da er aber wenig ICE ausliegen hatte und sogar vor HQ gar nichts, konnte ich ohne Probleme im weiteren Verlauf des Spiels gewinnen.

Im zweiten Match spielte er Shaper. Er überraschte mich zwar mit einem Inside Job, aber ansonsten waren beide Decks eher sehr nah an den Starterdecks, was er nach dem Spiel auch erklärte. So hatte er vor dem Turnier wohl bisher gerade mal zwei Spiele gemacht. Auch waren ihm ein paar Regelgrundlagen nicht ganz geläufig, wie z.B. an HB ICE vorbeikommen zu können über die Bezahlung mit Clicks, ohne Icebreaker auf die Stärke des ICE bringen zu müssen. Im Endeffekt gewann ich dieses Match 10:3, nachdem er mit Maker’s Eye eine Priority aus R&D zog und ich meine Agendas relativ ungefährdet durchscoren konnte.

 


 

Nach drei Runden lag mein Punktestand somit bei 15, da man für einen vollständigen Sieg mit zwei Match-Wins 6 Punkte erhielt und mein Draw aus Runde 2 mir 3 Punkte beschert hatte. Für die letzte Runde musste ich somit als bisher Zweitplatzierter gegen Fabian ran, der bisher im Turnier kein einziges Match abgegeben hatte und somit 18 Punkte aufwies. Um das Turnier also gewinnen zu können musste ich beide Matches gewinnen, was mich in Kombination mit seinem Auftreten als Netrunner-Veteran (geschlossen aus seinem original Netrunner-Shirt) doch recht nervös werden lies.

Ich gewann den Coinflip und entschied mich wieder einmal mit dem Runner zu starten, so dass Fabian zu seinem NBN-Deck griff. Da ich eine Starthand mit Magnum Opus im Grunde immer halte, gings auch schon los und konnte recht zügig mein Rig aufbauen. Nur die Toolbox ließ etwas auf sich warten. Wie es für NBN üblich ist, konnte er auch schnell 5 Punkte scoren, indem er eine Breaking News direkt beendete, kurze Zeit später Astroscript und danach mit dem Token davon noch eine Security Force. Ich bin öfters auf HQ gelaufen, da die Ice Wall davor mich nur 2 Credits kostete, die ich mit der Toolbox bezahlen konnte, aber konnte dabei nur 5 oder 6 mal immer wieder die Wall of Static sehen. Aber er hatte auch konstant 5 Karten auf der Hand und trotz mehrerer Möglichkeiten griff ich leider nie die besagte Security Force heraus. Bis zu diesem Zeitpunkt war er meines Erachtens definitiv im Vorteil, aber sein einziger Remote Server war bisher noch nicht zu dick und vor R&D lagen zwei ICE. Als ich dann Maker’s Eye zog nutzte ich diesen auch recht schnell und musste mich an einem Hunter und Data Raven vorbeidrängen, was mit einer Pipeline zwar nicht gerade günstig ist, aber da es beides Sentrys sind war das noch akzeptabel. Es stellte sich heraus, dass besagter Run sehr glücklich für mich war, da ich zwei Astroscript und ein ICE sehen durfte, was seine Möglichkeiten doch sehr stark einschränkte. Daraufhin war mir sein R&D, was er noch weiter vereiste doch recht teuer, so dass ich lieber darauf wartete seinen Remote Server bei Notwendigkeit zu belagern. Eine Femme Fatale auf die dort liegende Tollbooth half auch sehr dabei, seine SanSan City Grids und Red Herrings zu trashen, noch bevor er eine Agenda dort hinein spielen konnte. Die Nutzung von Melange Mining Corp erlaubte ich ihm quasi zwei Mal, bevor ich sie doch lieber zerstörte. Ansonsten blieb mir nichts mehr übrig als seine Hand ein Mal pro Runde zu attackieren und Karten zu ziehen um ein weiteres Maker’s Eye zu ziehen. Glücklicherweise zog ich dann ein paar Runden später die Priority aus seiner Hand. 10:5.

Im zweiten Match spielte er Noise und ich hielt eine Hand ohne Agendas mit viel ICE und ein bisschen Geld, also quasi ideal. Dieses Match ging auch sehr lange und da es das Finalspiel um den Turniersieg war, durften wir es auch zu Ende spielen. Somit will ich es mal lieber zusammenfassen. Mein Glück beim Start sollte sich für das gesamte Spiel bewahrheiten, besonders da der Draw meines Gegners seiner Aussage deutlich schlechter gewesen war. Basierend auf seinen Möglichkeiten würde ich ihm auch zustimmen. Allerdings musste ich durch einen Fehler direkt die erste Agenda abgeben, da ich durch einen fehlenden Credit nicht Ichi und Heimdall vor meinem Remote Server rezzen konnte und er dadurch den Beta Test stehlen konnte.

Aber generell lief es sehr unglücklich für ihn, 8 oder 9 Viren zu spielen, damit nicht eine Agenda zu trashen und auch bei den wenn auch wenigen Runs auf R&D keine zu ziehen. Insgesamt sah sein Board im Spiel drei Mal komplett anders aus. Zwischenzeitlich hatte er drei Mal Medium installiert, was dazu führte dass ich zwei weitere ICE vor R&D installierte, er aber nie einen Run darauf durchführte und dann diese Viren zu Gunsten von Parasiten und anderen Programmen wieder zerstörte. Mit nur einem Corroder und Crypsis ist es auch sehr schwierig, besonders wenn man dann seine Stimhacks und Acount Siphons nicht zieht. Nach dem Stand von 6 zu 3 (er hatte noch random eine Priority aus R&D gezogen, da ich das weitere ICE davor nicht rezzen wollte) zog ich eine Priority und konnte sie dann in der nächsten Runde scoren und das Spiel für mich entscheiden.

 


 

Zu guter Letzt kam dann die Ranglistenbestimmung und die Bescherung am Preispool. Ich entschied mich dabei für die Android:Netrunner Core-Box. Der Zweitplatzierte entschied sich für das Brettspiel Android und der TO Willy, der den dritten Platz erreicht hatte für die Playmat aus dem Game Night Kit. So durfte jeder nacheinander seinen Pick durchführen bis kein Preis mehr vorhanden war. Salvation kam auf Platz 4 und Force9 per Tiebreaker auf Platz 5. Ansonsten war die Verteilung der Fraktionen recht ausgeglichen, was auch an der Top 5 zu sehen war.  Die einzige Fraktion die darin fehlte war Jinteki. Meine Spiele waren auf jeden Fall sehr abwechslungsreich, da ich gegen jede Fraktion antreten durfte und nur gegen Criminals zwei Mal.

Abschließend kann ich wohl behaupten, dass das Turnier ohne Probleme ablief und alle Beteiligten ihren Spaß hatten.  Mein Dank geht somit an die Organisation für Gelegenheit dieses Turnier als Sideevent in dieser schönen Kulisse zu erleben (auch wenn eine Burg vielleicht nicht ganz ins Cyberpunk-Thema passt… :) ).