Buch Review – Android: Free Fall

Android Free Fall

Android: Free Fall von William H. Keith. (Bisher nur auf englisch erschienen.)

Und wieder eine neue Art von Artikel auf Wyldside.de. Dieses mal soll es ein Buch Review sein, und dafür hab ich mich des ersten Romans im Android-Universum angenommen. Ja, richtig. Hierbei handelt es sich nicht per se um ein Netrunner Buch. Es wurde nämlich bereits ein Jahr vor Veröffentlichung von Android: Netrunner rausgebracht und basiert auf dem Brettspiel zu Android, was auch bei FFG erschienen war. Nichtsdestotrotz halte ich es für sehr attraktiv für Jeden, der am Hintergrund der Android: Netrunner Welt Interesse hat.

Die grundlegende Story baut sich wie folgt auf (entstammt der offiziellen Beschreibung):

Ein einflussreicher Anwalt wurde in der Spitze des Beanstalks, dem Weltraumaufzug der Erde, brutal ermordet und unser Hauptprotagonist, Kriminalbeamter Rick Harrison, nimmt sich widerwillig des Falles an. Dabei führen ihn seine Ermittlungen von der ausgedehnten Metropole New Angeles zu der weit entfernten Mondbasis Heinlein, wo er nach Hinweisen unter einer unkooperativen Auswahl an Bioroids, Klonen und verägerten Arbeitern, sucht. Dabei landet Harrison schnell im Mittelpunkt einer sich immer weiter verzwickenden Verschwörung, die ihn zu einer nicht erwarteten Frage führt: Wie lautet die wahre Definition von Menschlichkeit?

Das soll soweit auch reichen was die Story angeht und ich möchte in diesem Review auch keine harten Spoiler reinbringen. Somit versuche ich mich so Allgemein wie möglich zu halten und dabei hoffentlich ausreichend meine Meinung rüberbringen, so dass ihr euch dennoch eine Einschätzung bilden könnt.

LEICHTE SPOILER:
Wie schon erwähnt, handelt es sich bei diesem Buch um eine Detekivstory, in dem unser Hauptdarsteller herausfinden möchte wer der Mörder ist. Davon abgesehen, dass die Story in dieser Form in unserer Gegenwart nicht funktionieren würde, läuft sie doch recht nach Schema F ab. Kriminalbeamter schaut sich die Mordszenerie an, benutzt sämtliche ihm zu Verfügung stehenden Ressourcen, während er versucht die politischen Implikationen zu ignorieren. Sobald er auf die richtige Fährte gelangt merken die “Bösewichte”, dass er gefährlich werden könnte und agieren dagegen. Dabei gelangt er zu immer mehr Hinweisen. Nebenbei springt die obligatorische, karriereorientierte Reporterin um ihn herum, die zufälligerweise vor längerer Zeit bereits mit ihm involviert war, aber ein sehr guter Mensch ist. Und zu guter Letzt wird deutlich, dass es sich hier nicht um einen simplen Mord handelt, sondern viel mehr dahinter steckt.
SPOILER ENDE

Das klang jetzt vielleicht alles etwas ernüchternd und negativ, eventuell schon zum Gähnen langweilig. Aber man muss einräumen, dass man fast jede Geschichte total langweilig zusammenfassen kann. Das war auch an sich nicht meine Intention, aber ich wollte damit vermitteln, dass mich in diesem Buch nicht wirklich viel inhaltlich überrascht hat.

beanstockDas Buch glänzt in anderen Bereichen. Allen voran in der Darstellung der Welt und des Hintergrunds. So geht der Autor wirklich ins Detail, was die Besonderheiten angeht, die dieses Setting zu bieten hat. Er beschreibt gerne über mehrere Seiten hinweg einzelne Aspekte, die aber auch essentiell wichtig sind für die Welt, in der sich die Person bewegen. So beschreibt er äußerst überzeugend die relativ junge Stadt von New Angeles, die dank des Weltraumaufzugs zu großem Reichtum und Einfluss gelangt ist. Er beschreibt besagten Aufzug detailreich und in diesem Zusammenhang auch den Konzern Weyland, die als eine der stärksten Baufirmen gilt. Weiter geht die Darstellung auf die Station am Ende des Beanstalks ein und auch die Mondstation wird nicht außer acht gelassen. In dem ganzen steckt dann auch noch wie die Welt sich dreht und womit die Menschheit zu kämpfen hat. Man packe außerdem noch die Auswirkung hinsichtlich Rechte von Bioroids und Klonen in den ganzen Mix und man hat einen wundervoll angehäuften Batzen an Flair und Gehalt. Vielleicht kämen die Ein oder Anderen zu dem Entschluss, dass es sich bei Vielem um nichts übermäßig Originelles handelt, aber ich für meinen Teil fand diese Beschreibung sehr spannend und dies allein machte dieses Buch für mich mehr als lesenswert. Ganz kurz wird im Buch Noise als Hacker erwähnt und was das in dieser Welt bedeutet. Das wars dann auch schon mit dem direkten Link zu Netrunner. Aber gefreut hat es mich dennoch.

Des Weiteren muss ich sagen, dass mir Rick Harrison sehr sympathisch war. Man kriegt natürlich sehr viel Monolog von ihm ab, da das Buch aus seiner Sicht geschrieben ist, aber auch das ist nix Neues für einen Kriminalroman. Und generell bin ich der Meinung, dass dieses Buch sehr gut geschrieben ist. Zumindest hatte ich während des Lesens nie den Faden verloren, mich zu Tode gelangweilt oder etwas absolut nicht verstanden. Die Aspekte die zum Ende hin nicht ganz klar sind, sollen meines Erachtens so sein und ich kann damit leben.

Fazit:
Zusammenfassend bleibt mir also zu sagen, dass ich Buch mochte und als lesenswert empfand. Die Stärken liegen in der Vermittlung des Hintergrunds der Welt von Android, dem sympathischen Hauptcharakter und der dennoch interessanten Story, wenn auch diese durch die Science Fiction spezifischen Aspekte getragen wird. Wer sich also für die Welt von Android interessiert und Netrunner in einem etwas anderem, beziehungsweise gehaltvollerem, Licht sehen möchte, macht meines Erachtens mit diesem Buch nichts falsch.

Art.Nr. FFG0003
EAN 9781616610975
Empf. Verkaufspreis 8.99 €
Veröffentlichung September 2011